Fortbildungsoffensive mit Justus-von-Liebig-Schule

Die Sozialstation Bodensee geht neue Wege mit einem Pilotprojekt im Bodenseekreis: Anfang April fiel der Startschuss zu einer innovativen Fortbildungsoffensive in Kooperation mit der Justus-von-Liebig-Schule Überlingen.

Politik ist oft langatmig und es dauert lange, bis gute Ideen in die Tat umgesetzt werden. Die Sozialstation hat eine Abkürzung genommen und gemeinsam mit der Justus-von-Liebig-Schule ein Pilotprojekt auf den Weg gebracht, der dem Fachkräftemangel im Pflegebereich entgegenwirken soll.

„Es ist schön, dass zwei so wichtige Einrichtungen aus der Pflege zueinandergefunden haben und Hand in Hand arbeiten“, sagt Schulleiter Herbert Weber. Und Wolfgang Jauch, Vorstandsvorsitzender der Sozialstation, ist „froh und stolz, dass wir innerhalb kurzer Zeit ein tragfähiges Konzept auf die Beine gestellt haben.“ Als Teilnehmer einer Podiumsdiskussion begegneten sich Dorothee Marckmann-Bauer und Wolfgang Jauch im April 2018 und fragten sich im Nachgang, warum es eigentlich keine Zusammenarbeit zwischen ihren Institutionen gibt.

Die Idee war geboren und bis zu einem Schulungskonzept vergingen nur wenige Monate. „Wir haben uns mit den Pflegedienstleitungen der Sozialstation zusammengesetzt und ein Konzept entwickelt, das genau auf die die Teilnehmer zugeschnitten ist“, sagt Dorothee Marckmann-Bauer.

Und so läuft‘s: 25 Sozialstation-Mitarbeiterinnen, die bisher vorrangig hauswirtschaftliche Tätigkeiten verrichtet haben und ohne Pflegeausbildung sind, drücken noch einmal die Schulbank im Pflegezentrum Rauenstein, um sich in Altenpflege weiterzubilden. Über vier Monate hinweg werden sie von Fachkräften der Sozialstation und Lehrkräften der JvLS unterrichtet. Dabei lernen sie unter anderem typische Krankheitsbilder kennen, bekommen Wissen rund um die Körperpflege, Ernährung und den Umgang mit Angehörigen vermittelt.

Die Intensivschulung dauert bis Ende Juli. Im Idealfall entschließt sich ein Teil der zukünftigen Pflegeassistentinnen anschließend für eine Ausbildung zur staatlich anerkannten Altenpflegerin. Um den Schülerinnen, die zwischen Mitte 20 und Anfang 60 Jahre alt sind, entgegenzukommen, zählt der Unterricht inklusive An- und Abfahrt zur Arbeitszeit und nach erfolgreichem Abschluss gibt’s eine Gehaltszulage.

„Unser Wunsch wäre es, dass einige der 25 Teilnehmerinnen die Chance nutzen, einen qualifizierten Berufsabschluss zu erlangen und anschließend eine Ausbildung zur Altenpflegerin oder Altenpflegehelferin beginnen“, sagt Andreas Pfeifer. Schulleiter Herbert Weber blickt bereits voraus: „Der Kurs soll keine Eintagsfliege sein. Wir würden ihn gerne nächstes Jahr wieder anbieten.“

 

 

Hintergrund der Fortbildungsoffensive

Anlass für das Pilotprojekt ist die Tatsache, dass der Pflegebedarf in der Region immer größer wird und der Pflegekräfte-Markt leergefegt ist. Hinzu kommt, dass bei der Sozialstation bis 2030 etwa die Hälfte der derzeitigen Pflegekräfte altersbedingt ausscheiden.

Für die Fortbildungsoffensive investiert die Sozialstation rund 20000 Euro, die Justus-von-Liebig-Schule stellt qualifiziertes Lehrpersonal. Die Unterrichtsräume im Pflegezentrum Rauenstein werden vom Bodenseekreis, dem Schulträger der Justus von Liebig Schule, kostenfrei zur Verfügung gestellt.

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Klassenfoto mit den Teilnehmerinnen.
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Freuen sich auf eine gute Zusammenarbeit: Schulleiter Herbert Weber und Dorothee Marckmann-Bauer (Leiterin Fachbereich Altenpflege) von der Justus-von-Liebig-Schule sowie der Vorstandsvorsitzende der Sozialstation Bodensee e.V. Wolfgang Jauch und Personalvorstand Andreas Pfeifer (von links).
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Im Unterrichtsraum
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Im Praxisraum.